Bis Anfang 1995 war ich in Geld und Finanzmarktdingen weitestgehend unbedarft. In dieser Hinsicht gehörte ich wie fast  alle Menschen zu den gemeinen Volkstrotteln. Auf meinem Sparbuch war etwas Geld, zudem besaß ich eine kleine  Lebensversicherung. Lebensversicherung und Sparbuch wurden gekündigt genauso wie mein Arbeitsvertrag und dazu  bekam ich noch eine nette Abfindung. Dieses ganze Geld auf einen Haufen gelegt würde für rund zwei Jahre reichen ohne  das ich einen Finger krumm machen müsste. Mein Ziel war ohne Zeitbegrenzung auf Kreta Urlaub zu machen und  eventuell mich dort mit irgendetwas selbständig zu machen - sofern ich passende Mitstreiter finden würde. Doch es sollte  anders kommen.   Etliche Wochen vor der Abreise entdeckte ich zufällig ein kleines Taschenbuch mit dem Titel “Geldanlage”. Binnen kurzer  Zeit las ich es durch, lernte manches über Anleihen und Aktien, Optionsscheinen, Optionen und Future usw. Die tägliche  Lektüre des Wirtschafts- und Börsenteils der Zeitung wurde nun zur Pflicht. Bei einem Discount Broker, der erst neu auf  dem Markt war, eröffnete ich ein Konto, packte mein ganzes Geld darauf und orderte telefonisch - wie zu jener Zeit noch  üblich - meine ersten Aktien. Dann packte ich meinen Rucksack und reiste mit einem One Way Ticket in den Süden. In den  folgenden Jahren verdiente ich durch passendes kaufen und verkaufen von Wertpapieren soviel, dass ich damit mein  Leben und meine Reisen finanzieren konnte. Eine sehr schöne Zeit in meinem Leben die ich nicht missen möchte. Als die  Party im Jahr 2000 zu ende war (der sogenannte Salamicrash begann) und infolge des 11. Septembers 2001 es zu einem  “Sell Out” kam, war auch für mich die lustige Zeit abgelaufen. Zwar lässt sich ein Abwärtstrend profitabel handeln, doch hat  er einen ganz anderen “Charakter” als ein langjähriger Aufwärtstrend und auf diesen war ich, wie so viele, nun mal nicht  eingestellt. Kurz & Schlecht: ab 2003 verdiente ich mein Brot wieder mit “realwirtschaftlicher Arbeit”.   Das Internet war inzwischen zu einem wichtigen Informationsmedium gereift und bot mir die Möglichkeit die  unterschiedlichsten Ansichten zu lesen warum geschehen war was geschehen war und warum man es wissen konnte bzw.  warum man es nicht wissen konnte usw. Eine Vielzahl von Stimmen die einen nicht gerade schlauer machten. Was ich aber  auch fand, waren Beiträge, die sich mit unserem Geld und dem Geldsystem beschäftigten - jenseits aller  fnanzakrobatischen Kapriolen. Je mehr ich mich mit diesem Thema beschäftigte desto bedeutungsloser wurden die Fehden  und Lehrmeinungen in den hohen Etagen der Finanz- und Wirtschaftswissenschaften einschließlich der darauf beruhenden  politischen Auseinandersetzungen.  Man kann unsere moderne Wirtschafts- und Finanzwelt mit einem riesigen Gebäudekomplex vergleichen das bei aller  Schönheit und Funktionalität doch erhebliche Mängel zeigt: Statt sich aber in den höheren Etagen herum zu balgen bei der  Frage was zu tun sei, lade ich dazu ein, den feinen Zwirn der Chefetagen gegen einen Blaumann zu tauschen und mit mir  hinab zu steigen, ganz runter und in die Sohle zu kriechen und auf den Grund zu schauen, auf der unsere schöne Welt  errichtet ist. Das zu sehende erlaube ich mir mit meinen Worten zu erläutern, dabei Begrifflichkeiten aus den hohen und  höchsten Etagen neu zu wenden und zu verwenden. Deshalb die Warnung an alle Puristen: nicht jedem, der sich in den  hohen Etagen eingerichtet hat steht ein Blaumann. Oder anders ausgedrückt: eine andere, vielleicht sogar einfache Sicht  der Dinge ist für manche einfach viel zu kompliziert.  Der Text besteht aus zwei Gruppen. In der ersten Gruppe wird der jetzige Zustand beschrieben - wohl gemerkt, in einer  grundsätzlichen, fundamentalen Sichtweise. Dabei werden zunächst einzelne Elemente, wie Geld und Markt betrachtet.  Diese Elemente sind wie Baugruppen, die erst am Ende zu einer Gesamtsicht zusammengefügt werden.  In der zweiten Gruppe wird eine alternative Fiktion beschrieben und kritisch durchgeschaut. So eine Fiktion gilt nur als ein  Vorschlag zum Nachdenken, zudem ermöglicht sie als Kontrast zum bestehenden das Bestehende selbst aus einer neuen  Warte zu betrachten. Die Motivation zu dieser Seite liegt vor allem darin, meine Gedanken zu diesem Thema und meine Erfahrung schriftlich zu  erfassen und damit gewissermaßen zu ordnen. Wenn man dieses öffentlich macht, kann man sich selbst verpflichten so zu  schreiben das potentielle Leser diese Gedanken nachvollziehen können. Es liegt mir also weniger daran auf eine  Veränderung und Reform unseres Geldsystemes zu drängen, denn ich glaube nicht, das in den höheren Etagen genau so  wenig Interesse dazu zu finden sein wird wie bei dem größten Teil der Bevölkerung.   Wenn in den folgenden Texten grüne Worte oder Satzteile auftauchen lauern dahinter Anmerkungen die zu lesen sind wenn  man mit dem Mauszeiger darüber geht. Rote Kennzeichnungen sind dagegen verlinkungen innerhalb dieser Seiten. Die  Texte sind nicht endgültig und werden wohl immer mal wieder überarbeitet.  Das erste Element der Betrachtung: Geld (c) Klaus Dieter Schley  2012 Eine persönliche Vorgeschichte