Das wichtigste Werkzeug einer hochgradig arbeitsteiligen Wirtschaftsordnung ist das Geld. Es ist für die Entwicklung dieserWirtschaft so bedeutsam wie die Erfindung des Rades für die Technik. Für beides, Rad und Geld, gibt es in der Natur keineunmittelbaren Vorbilder die der Mensch bloß auf sich beziehend anpassen musste. Sie sind Geschöpfe des menschlichenGeistes. Das Rad (oder etwas, das rund läuft) allerdings ist in seiner vielfältigen Funktion an die physikalisch-technischenNaturgesetze gebunden, während die Funktion des Geldes weitestgehend vom Wollen des Menschen abhängig ist. Das istein ganz wichtiger Aspekt, der im weiteren Verlauf der Betrachtung noch hervorgehoben werden soll. Wie unser Geld inunserem Alltag funktioniert, hängt also davon ab, wie wir seine Funktion konstruiert haben. Somit ist es also grundlegend fürdas Verständnis unserer Wirtschaft zu wissen, wie das Geld funktioniert und was Geld eigentlich ist.In den höheren Etagen gibt es durchaus unterschiedliche Ansichten was unter Geld zu verstehen sei. Zudem werdenverschiedene Geldmengen gezählt. Im Alltag verstehen die Menschen unter Geld das was sie in der Tasche haben oder aufdem Konto. Will man nun die grundsätzliche Funktionsweise des Geldes verstehen hat es also wenig Sinn über die Definitiondes Begriffes Geld zu einem entsprechenden Verständnis zu kommen. Auch eine geschichtliche Betrachtung wird darüberwenig Auskunft erteilen. Sinnvoller scheint mir, wenn man sich die praktische Handhabung des Geldes anschaut.Wenn es das Geld nicht geben würde müssten wir Waren und Dienstleistungen mit Waren und Dienstleistungen bezahlen,genauer gegen entsprechende Leistungen tauschen. Brötchen gegen Socken und Socken gegen Zündverteiler usw.. Einehoch industrielle moderne Volkswirtschaft mit extremer Arbeitsteilung könnte so nicht funktionieren. Statt immer diepassenden Tauschmittel (Waren) zu erwerben um letztlich das zu bekommen, was man eigentlich haben möchte, ist es nurvon Vorteil, ein Tauschmittel zu haben, das von allen gleichermaßen akzeptiert wird. Edelmetalle, wie Gold und Silber, habendiese Eigenschaft und wurden auch dazu genutzt, sind aber zu umständlich für eine moderne Volkswirtschaft. Nun wäre es möglich, um ein Beispiel zu nennen, dass der Bäcker zum Inhaber des Bekleidungshauses sagt, ich brauchederzeit keine Socken oder dergleichen aus deinem Geschäft, aber du kannst meine Backwaren bekommen wenn du mirdurch deine Unterschrift bestätigst, dass du die entsprechenden Waren bekommen hast. Wenn ich dann etwas aus deinemLaden brauche werden wir die Sachen “verrechnen”. Der Inhaber des Bekleidungshauses ist mit diesem Verfahreneinverstanden.An dieser Stelle können sechs Aspekte dieses Handels festgestellt werden:1. Zwischen dem Bäcker und dem Inhaber des Bekleidungshauses wird ein spezielles Verhältnis oder eine spezielle Bindungaufgebaut. Der Bäcker erwirbt gegenüber dem Inhaber des Bekleidungshauses einen Anspruch auf Ausgleich - er hat etwasbeim Inhaber des Bekleidungshauses gut (Guthaben) und umgekehrt schuldet der Inhaber des Bekleidungshauses demBäcker eine entsprechende Ausgleichslieferung.2. Das Verhältnis ist dokumentiert durch das Papier auf dem der Bäcker die gelieferte Ware verzeichnet und der Inhaber desBekleidungshauses diese durch seine Unterschrift bestätigt.3. Das Guthaben des Einen sind also immer die Schulden des Anderen.4. Das Papier selber besitzt keinen besonderen Wert. Es hat keinen Wert “an sich”. Der Wert des Dokumentes liegt darin, dases sich auf die gelieferte Ware bezieht oder umgekehrt betrachtet, der Wert des Dokumentes leitet sich von der geliefertenWare ab.5. Wenn der Bäcker sein Guthaben einfordert durch die Lieferung und der Inhaber des Bekleidungshauses seineVerpflichtung erfüllt, händigt der Bäcker das Dokument aus und es kann vernichtet werde. Die Schuld ist getilgt, das“besondere Verhältnis ist aufgehoben.6. Das ganze Verfahren basiert auf “Treu und Glauben”. Würde der Inhaber des Bekleidungshauses die Tilgung verweigernwürde er massiv an Ansehen verlieren und niemand würde mehr mit ihm entsprechende Geschäfte eingehen. Oder es basiertauf die Rechtsordnung des Staates. Der Bäcker könnte vor Gericht eine Ausgleichszahlung erzwingen.Auch mit dem Tankstellenbesitzer hat der Bäcker ein entsprechendes Verfahren entwickelt. Der Tankstellenbesitzer wiederummöchte nun gerne Kleidungsstücke erwerben, nur ist der Inhaber des Bekleidungshauses ein überzeugter Fußgänger,braucht also keinerlei Leistungen des Tankstellenbesitzers. Der Tankstellenbesitzer hat aber gegenüber dem Bäcker einhübsches Guthaben, weil der Bäcker ziemlich viel mit seinem Auto herum gefahren ist. Dieses Schuldschein nimmt er undgeht zum Bekleidungshaus einen neuen Anzug zu erwerben. Der Inhaber des Bekleidungshauses geht nun zum Bäcker undzeigt ihm den Schuldschein und sagt, lass uns meine Schuld bei dir mit diesem Schein verrechnen. So machen sie es undalle Schuld wäre wieder getilgt (ausgeglichen). Damit haben wir zwei weitere Punkte der Betrachtung:7. Schuldverschreibungen oder auch Wechsel lassen sich übertragen, soll heißen, ein Guthaben kann von Person A zuPerson B gehen.8. Schuldverschreibungen können als Tausch- oder Zahlungsmittel verwendet werden.Praktikabel ist dieses System allerdings nicht. Wenn jeder Wirtschaftsteilnehmer mit seinen jeweiligen Geschäftspartnernindividuell die Bezahlung über Schuldverschreibungen lösen würde entstünde - einfach ausgedrückt - eine großeUnübersichtlichkeit. Nehmen wir nun mal an der Bäcker würde mit vielen anderen fleißigen Menschen auf einer abgelegenen Insel wohnen undalle diese Menschen hätten ihre Geschäfte in der beschriebenen Art durchgeführt. Nun wären sie zu der Ansicht gekommen,dass das nun einmal zu umständlich sei. Sie wollen wieder Geld, genauer, Banknoten einführen. Doch sie haben eine großeSkepsis ob das funktioniert. Bei den Schuldscheinen war ihnen bekannt wer der Schuldner ist. Wer aber haftet für den Wertder Banknoten? Die zu gründende Gemeinschaftsbank stellt nichts her und sie besitzt nichts. Doch trotzt der Skepsis, die Gemeinschaftsbank wird gegründet, die Banknoten werden gedruckt und jeder soll ein Startgeldbekommen sowie die Schuldscheine, in deren Besitz er ist, gegen entsprechendes Geld eintauschen können. DieSchuldscheine werden bei der Bank aufbewahrt als Sicherheit so das man sie notfalls zurückkaufen könnte. An einemSonntag wird diese Aktion von früh morgens bis spät in den Abend durchgeführt, bis alle ihr Geld haben.Der Tischler - der ein großer Skeptiker ist - ist mit seiner Familie auch dabei. Früh am Montag morgen sagt er zu seiner Frau,wir wollen heute ausprobieren ob das mit dem Geld funktioniert. Wir nehmen uns heute einen freien Tag und werden schöneinkaufen gehen. Er heftet einen Zettel mit der Aufschrift “Aus privaten gründen heute geschlossen” an die Tür seinerTischlerei und zieht dann mit seiner Familie los. Zuerst wollen sie im Cafe frühstücken. Doch das Cafe ist geschlossen, an derTür hängt ein Zettel mit der Aufschrift: “Aus privaten gründen heute geschlossen”. Holen wir uns halt ein paar Brötchen beimBäcker und frühstücken gemütlich zu hause. Der Bäcker hat aber auch aus “privaten Gründen” geschlossen. Nun werden sielangsam gewahr, das alle Geschäfte und Betriebe geschlossen haben. Habe ich es doch gewusst, schimpft der Tischler, dasGeld taugt nichts. Man kann für das Geld nichts bekommen, es hat keinen Wert. Verärgert läuft er zur Bank, Dort haben sichschon viele wütende Menschen versammelt und winken mit Geldscheinen, dabei rufen sie “das ist bloß wertloses Papier!Nirgendwo kann man damit etwas kaufen!Nach einiger Zeit gelingt es den Bankleuten die Menge zu beruhigen und der Bankdirektor kann sich Gehör verschaffen.Leute, denkt doch mal nach, ruft er. Der Wert des Geldes leitet sich vom Wert eurer Arbeit ab. Wenn aber niemand arbeitet -wie heute - funktioniert das natürlich nicht. Geht also wie üblich an einem Montag an eure Arbeit und verhaltet euch wieimmer. Dies finden die Leute letztlich überzeugend. Im lauf der Woche macht dann jeder die Erfahrung, das es tatsächlich mitdem Geld funktioniert.Aus der kleinen Geschichte lassen sich wieder weitere Punkte heraus kristallisieren:9. Unser Bargeld (auch amtliche Zahlungsmittel genannt) sind neutrale Tauschmittel. Neutral deswegen, weil sie sich aufniemanden Beziehen wie die Schuldverschreibungen.10. Die amtlichen Zahlungsmittel haben “keinen Wert an sich”! Der Wert des Geldes bezieht sich auf den Wert dereintauschbaren Waren und Dienstleistungen. Man kann auch sagen, der Wert des Geldes leitet sich von der wirtschaftlichenLeistung ab. Manche sagen auch, das Geld ist durch die realen Werte gedeckt.11. Der Besitzer oder Inhaber des Geldes ist Gläubiger. Das besondere an den amtlichen Zahlungsmitteln ist nun aber, das ervom Prinzip her auch gleichzeitig Schuldner ist! Denn ohne die wirtschaftliche Leistung der Einzelnen “Gläubiger” würde dasGeld keinen Tauschwert besitzen. Manchmal wird diese Tatsache auch als die “Grundschuld des Geldsystems” genannt.12. Der Vorteil des Bargeldes liegt vor allem auch in seinem nominalen (Nennwert) des Geldes (1€, 5€, 10€ usw. und Teiledavon - Cent). Somit ist es leicht Waren nominal zu kennzeichnen (kostet so und soviel Euro) als wenn man sich ersteinigen muss wie viele Brötchen ein bestimmtes Hemd wert sind. Das Bargeld vereinfacht den Vergleich von wirtschaftlichenLeistungen und damit deren Bewertung.13. Da grundsätzlich gesehen das Ziel jeglicher wirtschaftlicher Tätigkeit ist irgendwelchen Waren und Dienstleistungen zubekommen, die man braucht oder haben möchte, und nicht etwas, das gar “keinen Wert an sich” hat, nennt man das Geldauch ein Zwischentauschmittel. Da wir hier eine sehr grundsätzliche Betrachtung machen können wir auch sagen, Geld istein Mittel und ein Mittel ist immer etwas zu einem Zweck. Im Zentrum steht naturgegebener Maßen der Zweck für das einMittel gebraucht wird. Hammer, Kelle und Mischmaschine sind Mittel um ein Gebäude herzustellen. Man nennt sie auchWerkzeuge, also kann man sagen, Geld ist ein Werkzeug für die Wirtschaft. Das klingt jetzt jetzt nach Wortklauberei wird aber bei der späteren Betrachtung zu einer zentralen Botschaft, nämlich das Geld ein Werkzeug ist und nicht - ja, das sehen wirspäter.Bei der bisherigen Betrachtung haben wir zwei Arten von Geld kennen gelernt: die amtlichen Zahlungsmittel, also das Bargeldund die Schuldverschreibungen. Nur der Staatdarf amtliche Zahlungsmittel in Umlauf bringen. Denn würde jeder selbstBargeld herstellen dürfen, statt wirtschaftliche Leistungen zu erbringen, würde dieses bedruckte Papier, das ja keinen Wert ansich hat auch tatsächlich keinen Tauschwert besitzen, da ja keine entsprechenden wirtschaftlichen Leistungen erbrachtwurden. Dennoch darf jeder Geld herstellen, nämlich in Form von Schuldverschreibungen. Wenn ich jemanden 1000€ für einebestimmte Zeit leihe und mir darüber eine Schuldverschreibung ausstellen lasse sind zusätzlich zu den 1000€ in Bargeld1000€ als Kredit entstanden. Der Wert dieses Geldes leitet sich von der rechtlich verbindlichen Verpflichtung des Schuldnerszu tilgen ab und der Bonität des Schuldners. Wenn die Schuld getilgt wird ist das Geld wieder verschwunden. Grundsätzlichkann man sagen, die Summe aus Guthaben plus Schulden ergibt 0 ((+1000€) + (-1000€) = 0). Wenn man nun glaubt, in derPraxis würden Schuldverschreibungen wohl eher selten als Zahlungsmittel genutzt, sollte man sich wieder mal bewusstmachen, das wir hier eine sehr grundsätzliche Betrachtung anstellen. Dem entsprechend ist jedes Konto, also von dergrundsätzlichen Funktionsweise aus gesehen, nichts anderes als eine Schuldverschreibung. Denn wenn ich Geld auf demKonto habe bedeutet das ja, dass die Bank Schuldner ist und ich Gläubiger bin. Mit diesem Geld auf dem Konto kann ich nunmeine Rechnungenbegleichen in dem ich die Bank anweise mir gegenüber die Schuld zu tilgen, indem sie die Überweisungausführt und damit Schuldner gegenüber einem anderen Gläubiger wird. Schuldverschreibungen lassen sich in nahezu unendlichen Variationen mit den verschiedensten Merkmalen herstellen. In denhöheren Etagen unserer Wirtschafts- und Finanzwelt nennen sie sich Imobilienfond, Tagesgeldkonto, Lebensversicherung,Aktienfond, Optionsschein, Sparbrief, Bundesanleihe, Indexzertifikat usw. So unterschiedlich ihre Merkmale auch sind, dasGrundprinzip ist immer das gleiche: auf der einen Seite der Gläubiger, auf der anderen der oder die Schuldner.In der grundsätzlichen Betrachtung was unser modernes Geld eigentlich ist bin ich zunächst einmal zum Ende gekommen. Eslassen sich sicher noch manche Details mehr aufführen. Die sind aber für die weitere Betrachtung zunächst unerheblich. DieErgebnisse der Betrachtung mögen manchem banal erscheinen; dennoch werden sie in den höheren Etagen unsererFinanzwelt oft nicht beachtet. Zu gegebener Zeit werde ich darauf zurück kommen. Das nächste Element in derfundamentalen Betrachtung ist der Markt. Auch dort werde ich einige unübliche Sichtweisen dokumentieren.Geld
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