Wachstum Für die belebte Natur ist das Wachstum ein existenziell notwendiges Ereignis. Nichts ist plötzlich da. Ein Baum entsteht nicht in einer Nacht in seiner vollen Pracht und Herrlichkeit. Der Prozess zwischen der Entstehung eines Individuums und seiner Vollendung wird Wachstum genannt. Somit kann man sagen, dass das Wachstum ein vorübergehender Entwicklungsprozess ist. Jeder Mensch kann das an sich selber beobachten - irgendwann sind wir erwachsen. Aber nicht nur das einzelne Individuum einer Art wächst sondern die Art breitet sich in der Natur aus, sie wächst in sie hinein bis sie an ihrer natürlichen Grenze stößt. Dies gilt für alle Arten und der so erreichte Zustand wird ökologisches Gleichgewicht genannt. Gleichgewicht bedeutet nun nicht das alles ruht und sich nichts verändert. Von vielen Faktoren bestimmt schwankt die Population in einem bestimmten Bereich. Bei unserer fundamentalen Betrachtungsweise kann man also feststellen, das Wachstum ein endlicher Entwicklungsprozess ist. Wie verhält es sich nun in unserer Ökonomie mit dem Wachstum? Wirtschaftswachstum bedeutet dass die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen zunimmt. Warum aber nimmt die Nachfrage zu? Wenn ein Produkt auf den Markt kommt werden in dem Wirtschaftsraum nicht alle das Produkt sofort haben wollen bzw. es sich leisten können. Als sich in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg die Autoindustrie entwickelte bedeutete das nicht das sogleich jeder ein Auto haben wollte und auch nicht, das jeder, der ein Auto haben wollte, sich eines leisten konnte. Die Nachfrage wuchs erst langsam an und das galt für viele Produkte. Mit der zunehmenden Verbreitung des Produktes stieg auch die Bereitschaft bei denjenigen, die das Produkt bislang ablehnten, es nun doch haben zu wollen und mit dem allgemeinen Wirtschaftswachstum stiegen auch die Einkommen, so das immer mehr Menschen sich den Wunsch nach dem Produkt erfüllen konnten, was zu weiteren Wachstumsschüben führte. Doch irgendwann hat jeder das Produkt, der es haben möchte und es sich leisten kann. Diesen Zustand nennt man Marktsättigung. Marktsättigung bedeutet aber nicht, dass dieses Produkt nun nicht mehr nachgefragt würde. Service, Ersatz und Austausch gegen neuere Modelle führen dazu, dass sich die wirtschaftliche Gesamtleistung auf ein bestimmtes Niveau ein pendelt, also das sich ein ökonomisches Gleichgewicht einstellt analog dem ökologischen Gleichgewicht. Zumindest wäre es theoretisch so. “Wachstum ist nicht alles, aber ohne Wachstum ist alles nichts!” Diese Aussage machte schon vor Jahrzehnten ein Politiker. Und tatsächlich zeigt sich, das “Nullwachstum” sehr schnell zu einem allgemeinen wirtschaftlichen Niedergang führt. Warum das so ist soll an dieser Stelle zunächst nicht weiter untersucht werden. Wenn in einem Wirtschaftsraum der Markt mit den vorhandenen Produkten gesättigt ist erreicht man weiteres Wirtschaftswachstum nur durch “Innovation und Investition” der Wirtschaft um so letztlich neue, zusätzliche Produkte zu schaffen. Um den erreichten Wohlstand aufrecht erhalten zu können oder gar weiter auszubauen ist dies zwanghaft notwendig (Wachstumszwang). Wirtschaftswachstum kann allerdings auch entstehen wenn der Wirtschaftsraum größer wird, wenn also die Bevölkerung wächst oder zusätzliche bislang unterentwickelte Volkswirtschaft hinzu kommen (Globalisierung). Aus dieser Betrachtung lassen sich zwei Schlüsse ziehen: 1. natürlich wächst die Wirtschaft wenn zusätzliche Produkte nachgefragt werden und 2. natürlich wächst die Wirtschaft wenn sich die Zahl der Nachfrager erhöht. Kurz: es gibt ein natürliches Wirtschaftswachstum das allerdings nach einiger Zeit in eine Marktsättigung führt. Doch im unterschied zum ökologischen Gleichgewicht ist ein ökonomisches Gleichgewicht nicht möglich. Es muss also etwas geben, dass die natürliche Ordnung, der wir Menschen letztlich bei all unserem tun auch untergeordnet sind, so nachhaltig zu übertrumpfen sucht, das ein ökonomisches Gleichgewicht nicht möglich ist. In den höheren und höchsten Etagen unseres riesigen Wirtschafts- und Finanzgebäudes wird diese Problematik zwar hin- und wieder zur Kenntnis genommen, letztlich aber nicht weiter untersucht. Man ist sich einig, das Wachstum  - auf Teufel komm raus - sein muss. Nur über den besten Weg dahin gibt es die unterschiedlichsten Lehrmeinungen. Das dieser Wachstumszwang für die Natur nachhaltig schädigende Wirkungen hat ist inzwischen weitestgehend unbestritten. Genauso unbestritten in den höheren Etagen ist allerdings, das ein wirksamer Naturschutz nur möglich ist, wenn er erstens dem Wachstumszwang nicht im Weg steht und darüber hinaus selbst zum Wachstum beiträgt. Die Zweifel aus Sicht des Naturschutzes, dass dieses Ansinnen der Natur dienlich sei sind berechtigt und durchaus verbreitet. An dieser Stelle beenden wir die Betrachtung  auf unserem Kriechgang durch das Fundament des Finanz- und Wirtschaftsgebäudes in diesem Teil und wenden uns einer weiteren Ecke zu: dem Verbraucher - einem tragischen Geschöpf. Vorläufige Fassung: an dieser Seite wird noch gearbeitet! (c) Klaus Dieter Schley  2011